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Aktualisiert: vor 14 Minuten 18 Sekunden

Die brennende Pyramide

27. April 2026 - 19:18

Im August 2025 reiste eine Delegation der Interventionistischen Linkem in den lakadonischen Urwald in Chiapas, Mexiko, um am Encuentro de las Resistencias y Rebeldías "Algunas Partes del Todo" (dt. Treffen der Widerstände und Rebellionen "Einige Teile des Ganzen") teilzunehmen (1). Zu dem Treffen eingeladen haben die Zapatistas, eine indigene Bewegung, die ab dem 01.01.1994 in einem bewaffneten Aufstand ihr Land und ihre Autonomie zurück erkämpften. Seit über 31 Jahren leben die Zapatistas daher unabhängig vom Staat und haben Strukturen der Selbstverwaltung für schätzungsweise 360.000 Menschen aufgebaut.

Treffen der Widerstände

Zwei Wochen lang durften wir von den Zapatistas und internationalen Aktivist*innen lernen, uns austauschen, von unserer Praxis berichten (2) und Eindrücke sammeln, die wir mit hierher – ins Herz der Bestie – und zu euch und unseren Kämpfen zurücktragen. Im Fokus dieses Treffens stand die Veränderung der Organisierung der Zapatistas, die sie Ende 2023 verkündet hatten. Die zivilen Strukturen und die Entscheidungsprozesse wurden grundlegend überarbeitet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Im Folgenden wollen wir einige Aspekte aufgreifen, die nicht nur zentral für die neue Organisierungsform der Zapatistas sind, sondern auch uns und euch wertvolle Impulse geben können.

Die Pyramide und die neue Struktur

In den Beiträgen der Zapatistas zu ihrer Organisationsstruktur wurde häufig das Bild der Pyramide verwendet. So diente eine aus Holz errichtete Pyramide auf dem Gelände als Anschauungsbeispiel für die Unterdrückung in der kapitalistischen Gesellschaft. Sie repräsentiert all das Schlechte, das durch die hierarchische, ausbeuterische Regierung des Staates und des Kapitalismus als Ganzem passiert. Die Nachricht ist klar: "Die da oben haben die Macht und das Geld; Wir, da unten, werden ausgegrenzt, ausgebeutet und ermordet!". Genau diese ungerechten Strukturen waren der Ausgangspunkt als die Zapatistas zu den Waffen griffen, um sich zu wehren. Doch die Zapatistas errichteten unbewusst eine Pyramide in ihren eigenen Strukturen, weil sie sich im Aufbau ihrer Organisierung an dem orientierten, was sie kannten: die hierarchische Ordnung der kapitalistischen Gesellschaft. Bis 2024 gab es die Juntas del Buen Gobierno, das entscheidende Organ der kollektiven Verwaltung. Vieles lief in dieser Form der Selbstverwaltung gut, es gab jedoch auch Machtmissbrauch und Korruption. In Reaktion darauf unterzogen die Zapatistas die eigenen Strukturen einer gründlichen Reflexion und strukturierten sich um. Das Bewusstsein der Notwendigkeit einer konsequenten Selbstbeobachtung und -kritik ermöglichte diesen Prozess.

Den Beginn der Umstrukturierung stellten die Zapatistas besonders symbolträchtig dar: Sie zündeten die Pyramide an. Banner für Banner, Holzpfeiler für Holzpfeiler ging in Flammen auf. Einige Zapatistas rissen die Pyramide mit vereinter Kraft zu Boden (3). Mit dem Einreißen der alten Organisierungsform wurde den zwölf Juntas del Buen Gobierno die Macht symbolisch genommen und der Basis übergeben. Die autonome Selbstverwaltung ist nach wie vor in den zwölf Zonen, den Caracoles, organisiert. Diese Zonen sind in mehrere Regionen (span.: municipios) unterteilt, welche wiederum eine Anzahl an GALs - Gobiernos Autónomos Locales (dt.: lokale autonome Regierungen) zusammenfassen. Dies ist die Ebene der Dörfer, auf der nun alle relevanten Entscheidungen getroffen werden. In einer Erklärung zu den neuen Strukturen heißt es: Die zapatistischen GAL sind der Kern, das Zentrum der gesamten...

"Frieden ist schwieriger als Krieg"

27. April 2026 - 19:06

Kyra lebt seit Mitte letzten Jahres in Rojava und ist in der Interventionistischen Linken organisiert. Sie macht unter anderem Medienarbeit. Jan aus der Debattenblog-Redaktion ist in Deutschland in der Kurdistan-Solidarität aktiv und hat mit ihr über die aktuelle Lage in Rojava und Unterstützungsmöglichkeiten für deutsche Linke gesprochen. Kyra analysiert die diplomatischen Prozesse in Syrien und der Türkei, und spricht über Fehler, die in Rojava gemacht wurden.

Jan: Kyra, du lebst seit einigen Monaten in Rojava. Seit Anfang des Jahres gibt es dort sehr große Umbrüche, der Soziologe Christopher Wimmer spricht vom Ende der Selbstverwaltung in ihrer bisherigen Form. Andere sprechen von einer neuen Phase der Revolution. Wie siehst du das?

Kyra: Ich würde zustimmen, dass in Rojava nun eine andere Phase eingetreten ist; eine Phase, die wir noch nicht kennen. Das ist nicht das Ende der Revolution. Aber es ist auf jeden Fall eine riesengroße Veränderung, gerade für das Territorium der Selbstverwaltung. Raqqa und Deir ez-Zor sind in die Hände der HTS gefallen. Dieser Krieg war ein Krieg um die Existenz, und er hat seine Spuren hinterlassen. Die Namen von etwa 3000 Gefallenen wurden noch nicht bekannt gegeben, es befinden sich immer noch viele Geiseln in den Händen der HTS, und vorbei ist der Krieg auf vielen Ebenen nicht. Ein neuer Versuch der Integration in den syrischen Staat hat das Ende des Krieges eingeleitet. Seit dem Abkommen vom 10. März 2025 wurde so eine Integration ja versucht, doch dann haben die Verhandlungen gestockt und die islamistische Übergangsregierung wollte mit dem Krieg durchsetzen, dass es die Selbstverwaltung nicht mehr gibt. Das hat nicht geklappt. Jetzt gibt es eine neue Runde von Verhandlungen und den Versuch, den Weg der demokratischen Integration, den die kurdische Bewegung vorschlägt, zu gehen. Auf der einen Seite gibt es große Unsicherheiten, zum Beispiel, wie die Zukunft der autonomen Fraueneinheiten YPJ aussehen wird. Für die Selbstverwaltung ist klar, dass die autonomen Fraueneinheiten bleiben sollen, aber die HTS sieht es als Bedingung, dass es diese autonome Frauenstruktur nicht mehr gibt. Auf der anderen Seite wird viel Wert darauf gelegt, einen normalen Alltag in Rojava wieder zu ermöglichen. Die Schulen haben sehr schnell wieder geöffnet, Newroz wurde groß gefeiert.

Jan: Das kurdische Neujahrsfest im März.

Kyra: Genau. Trotz der Gefahr von IS-Schläferzellen sind viele Leute zusammengekommen. Newroz war sogar zum ersten Mal in der Geschichte Syriens ein offizieller Feiertag. Das ist eben auch ein Zeichen, dass Integration nicht Assimilierung, sondern Beidseitigkeit bedeutet.

Jan: Wie stark stehen denn die feministischen Errungenschaften Rojavas unter Beschuss?

Kyra: Die Frauenbefreiung ist der Kernpunkt vom Projekt der Selbstverwaltung, den die HTS am stärksten angreift. Im Integrationsprozess ist es eine große Schwierigkeit, dass die Gesellschaft einerseits diesen Prozess durchsetzen will – damit es keinen Krieg mehr gibt, damit vertriebene Menschen zurückkehren können, und damit diese unnatürliche Grenze zwischen Rojava und Syrien verschwindet. Das ist ein intrinsisches Ziel der Selbstverwaltung und der Menschen hier. Aber um das zu erreichen, müssen wir andererseits in irgendeiner Weise eine Koexistenz mit dieser zutiefst frauenverachtenden Regierung finden. Die Selbstverwaltung hat viele...

Was bedeutet linker Antimilitarismus im Krieg?

27. April 2026 - 15:06

Wie würden wir reagieren, wenn das Land, in dem wir leben, von einem autoritären Regime militärisch angegriffen würde? Wie sieht eine emanzipatorische linke Antwort aus, wenn die Häuser, in denen wir wohnen, durch Bomben in Schutt und Asche gelegt würden? Würden wir uns verteidigen - oder nicht? Wenn ja, mit welchen Mitteln? Wie sieht in einer solchen Situation Antimilitarismus aus? Das sind schwierige Fragen, um die wir nicht herumkommen, wenn wir glaubwürdige linke Positionen zu Krieg und Frieden finden möchten. Wir dachten, dass genau solche Fragen auf dem Rheinmetall-Entwaffnen-Camp diskutiert würden, das letztes Jahr vom 26. bis 31. August in Köln stattfand. Es fanden Workshops und Diskussionen zur wachsenden Militarisierung in Deutschland und zu den Kriegen in Palästina, Kurdistan und andernorts statt. Ein Krieg, der jedoch keine Erwähnung fand, obwohl er der Hauptgrund für die Militarisierung in Deutschland ist, ist der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Während auf dem Camp besonders die Sichtweisen von Menschen aus den betroffenen (Kriegs-)Regionen in den Fokus gestellt wurden, war dies bei den Ukrainer*innen nicht der Fall. Recht kurzfristig haben wir als ausgeCO2hlt angeboten, einen Workshop mit einer Genossin der anarchistischen Solidarity Collectives* aus der Ukraine zu organisieren, um den Krieg und ukrainische Positionen sichtbar zu machen. Dieses Angebot wurde von der Programm-AG mit Hinweis auf den Konsens im Bündnis und mangelnder Zeit für eine interne Diskussion abgelehnt. Das ist für uns bedauerlich und hat uns motiviert, diesen Text zu verfassen.

Die Solidarity Collectives sind ein Zusammenschluss von Anarchist*innen, die seit der russischen Invasion Unterstützung für Menschen in der Ukraine organisieren. Sie unterstützen Menschen in sozialen Bewegungen, die vom Krieg betroffene Zivilbevölkerung und anti-autoritäre Aktivist*innen an der Front. Ihr Ziel ist dabei, sich für eine befreite Gesellschaft einzusetzen. Ihre Mitglieder sind jeden Tag dem russischen Bombenterror ausgesetzt und trauern um Genoss*innen, die als Soldat*innen gefallen oder als Zivilist*innen ermordet wurden. Sie sehen sich nicht als Unterstützer*innen des ukrainischen Staates und haben sich trotzdem entschieden, gegen die Ausweitung des russischen Einflusses auf ihre Wohnorte zu kämpfen. Durch ihre langjährige Arbeit mit Genoss*innen in Russland und Belarus wissen sie, dass ihr politischer Kampf ungleich schwerer wäre, wenn die Ukraine Teil des russischen Imperiums wäre. Lange Haftstrafen und Gewalt sind dort für linke Aktivist*innen, aber auch für queere Menschen und andere Unangepasste an der Tagesordnung. Die Solidarity Collectives versuchen jeden Tag auszubuchstabieren, was Solidarität heißt, wenn das Land, in dem man lebt, in einen imperialen Angriffskrieg gezogen wurde. Wenn dessen Regierung gleichzeitig Sozialabbau betreibt. Wenn die einzige militärische Unterstützung für die Verteidigung von einem anderen imperialen Block kommt. Die Situation, in der sich die Solidarity Collectives wiederfinden, ist alles andere als widerspruchsfrei und nicht alle Entscheidungen können wir nachvollziehen oder gut heißen. Das gilt insbesondere für die Zusammenarbeit mit dem Militär, die auch in unserer Gruppe kontrovers gesehen wird. Aber es sind genau diese Widersprüche, denen wir uns stellen müssen, wenn wir eine Position zu Krieg und Frieden finden wollen. Gerade die praktische Erfahrung der Solidarity Collectives, in einer äußerst schwierigen politischen Situationen handlungsfähig zu bleiben, macht die...

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