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„Günter Sare – das war Mord. Kampf dem Faschismus an jedem Ort!“

Flugblatt der [iL*]-Frankfurt zur 30 Jahre Günter Sare Demo am 26.9.2015 in Frankfurt/Main

„Günter Sare – das war Mord. Kampf dem Faschismus an jedem Ort!“
Flugblatt der [iL*]-Frankfurt zur 30 Jahre Günter Sare Demo am 26.9.2015 in Frankfurt/Main

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Mit dieser Parole brachten im September 1985, also vor genau 30 Jahren, tausende Antifaschist_innen ihre Wut und Trauer auf die Straßen Frankfurts. Und nicht nur in Frankfurt, auch in Berlin, Hamburg und anderswo musste so manche Scheibe eines Polizeireviers dran glauben. Was war geschehen?

Günter Sare – 36 Jahre alt, im Frankfurter Gallus aufgewachsen, Schlosser, im Vorstand des Jugendzentrums Bocken- heim und unter anderem in der Bewegung gegen den Bau der Startbahn West am Flughafen Frankfurt aktiv – wurde am 28.09.1985 von einem Wasserwerfer der Polizei überrollt und getötet.

Die Ereignisse um den Mord an Günter Sare – aus der Sicht einer Beteiligten:

„Am 28.9.1985 war Günter einer von mehr als tausend Demonstrierenden gegen eine abendliche Versammlung der NPD im Haus Gallus. Die faschistische und rassistische Partei wollte sich ausgerechnet an dem Ort treffen, wo Jahre zuvor der Auschwitz-Prozess stattgefunden hatte – und das ausgerechnet im Gallus, wo die damaligen „Gastarbeiter_innen“ den Menschen dieser Stadt überhaupt erst Internationalität beibrachten.
Nachmittags veranstalteten verschiedenste Initiativen aus dem Stadtteil auf dem Schulhof neben dem Bürgerhaus ein „deutsch-ausländisches“ Freundschaftsfest – gegen die NPD und gegen Rassismus. Etwa 700 Menschen nahmen teil. Der gerade laufende Kommunalwahlkampf der CDU unter Bürgermeister Walter Wallmann strotzte nur so vor rassistischen Äußerungen. Die CDU empfahl sich der deutschen Bevölkerung mit dem Slogan: „Das Ausländerproblem liegt in Ihrer Hand.“

Frankfurter Linke und autonome Gruppen hatten dazu aufgerufen, die NPD-Versammlung zu verhindern, indem die Anreise der NPD´ler unmöglich gemacht werden sollte. In der Nähe der Galluswarte an der Ecke Hufnagelstraße / Frankenallee versammelten sich mehr als tausend Menschen, um den Nazis den Weg zu versperren. Doch für die ca. 70 NPD´ler prügelte die Polizei – wie so oft – immer wieder eine Gasse durch die Menge. Die Gegenwehr auf unserer Seite war groß. Erkannte Nazis wurden sofort angegangen.
In dieser Blockade wurde Günter am Abend von einem Wasserwerfer überrollt und getötet. Kurz zuvor hatte ihn der Strahl eines zweiten Wasserwerfers zu Boden gerissen. Als er sich gerade wieder aufrichten wollte, überfuhr ihn der Wasserwerfer. Zu Hilfe eilende Personen wurden von der Polizei weggeprügelt. Der Notarztwagen kam sehr spät. Die Kreuzung wurde abgeriegelt – es entstand eine Totenstille.

Migrantische Jugendliche aus dem Gallus waren die ersten, die diese Situation der Lähmung durchbrachen. Auf dem höher gelegenen S-Bahndamm stehend bewarfen sie die Polizei mit Steinen – ich empfand das als Verteidigung unser aller Würde und Unversehrtheit. Damit begann ein Aufruhr, der einige Wochen andauern sollte – in Frankfurt und bundesweit. Gleichzeitig wurde auf der Straßenkreuzung, wo Günter starb, eine Mahnwache organisiert. Sie sollte in den folgenden Tagen der einzige Ort im öffentlichen Raum sein, der nicht unter das stadtweite Versammlungsverbot fel."

Die Demonstrationen, die auf den Tod von Günter Sare folgten, richteten sich unter anderem gegen die Politik der hessi- schen Grünen. Sie verhandelten zeitgleich zu den Ereignissen mit der SPD über eine Regierungsbeteiligung und verein- barten dabei einen Landeshaushalt, in dem die Anschaffung weiterer Wasserwerfer beschlossen wurde.
Es ist kein Zufall, dass autoritäre Ordnungshüter politischen Protest und Widerstand gegen Rassismus und Faschismus angreifen, während sie gleichzeitig Nazi-Aufmärsche und rassistische Kundgebungen ermöglichen oder mordende Faschisten (des NSU) nicht fnden wollen. Es ist leider kein Versehen, dass die hohe Politik Asylrechtsverschärfung und neue Sparpakete ankündigt, angeblich wegen der Flüchtlinge, und zugleich faschistische und rassistische Brandstifter immer wieder bundesweit Flüchtlingsheime in Brand setzen und nie gefunden werden.

Deswegen: Antifaschismus können wir nicht dem Staat überlassen. Machen wir aus Trauer und Wut – Widerstand! Für militanten Antifaschismus!

Immer wieder Tote durch Polizeigewalt – von den zahlreichen Verletzten mal ganz zu schweigen. Nur wenige Namen stehen hier stellvertretend für viele:
Klaus Jürgen Rattay, in Berlin 1981 nach einer Demo von HausbesetzerInnen von der Polizei auf eine belebte Straße gejagt und von einem Bus überrollt,
Connny Wessmann, Antifaschistin in Göttingen (1989), ebenfalls von der Polizei vor ein Auto gejagt und getötet,
Oury Jalloh in Dessau im Polizeigewahrsam (2005) verbrannt.
...Und wem fallen da nicht die vielen Ermordeten durch die rassistische Polizei in den USA in den letzten Jahren ein?

Günter Sare – presente!
Klaus-Jürgen Rattay - presente!
Conny Wessmann - presente!
Oury Jalloh – presente!

Viva la libertad!
Für ein gutes leben Für alle!

[iL*]-Frankfurt

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