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Zwei Seiten einer Medaille
Dies ist der zweite Beitrag in unserem Themenschwerpunkt »Strategische Bündnisorientierung - Quo Vadis«. Der Anspruch der IL, Bündnisse strategisch anzugehen, ist, als Gegenmacht gesellschaftlich stark und durchsetzungsfähig sein: zusammen mit anderen, die in diesem Punkt unser Anliegen teilen. Mittlerweile verschieben sich die Verhältnisse allerdings: Das Klima wird autoritärer und auch (ehemalige) Bündnispartner*innen rücken mitunter von einer konfliktorientierten Haltung ab. Die Frage, ob überhaupt noch und mit wem wir Bündnisse schließen, wird hier diskutiert. IL-Genoss*in Ari macht deutlich, dass Bündnis nicht gleich Bündnis ist: Bündnisse sind widersprüchlich, und »Breite« ist kein Wert an sich.
Die Forderung nach Breite, die ins Leere läuftBündnisarbeit erscheint notwendiger denn je. Wir erleben eine Faschisierung auf allen Ebenen: im Parlament, auf der Straße sowie im Alltag. In jeder Debatte darüber, wie wir uns als außerparlamentarische Linke aufstellen, taucht seit Jahrzehnten dieselbe Forderung auf: Breite Bündnisse! Dieser Text versucht die Widersprüchlichkeit in dieser Forderung aufzuzeigen: Breite zu fordern, zeigt vor allem den Wunsch nach politischer Wirkmächtigkeit; Bündnisse zu fordern, verweist auf unsere Sehnsucht (und unseren Bedarf) nach Handlungsfähigkeit. Das scheint verständlich, aber geht das überhaupt in der Realität zusammen?
Die Herausforderung in Bündnissen bleibt wie eh und je: Wir müssen Kompromisse finden – mit Leuten, denen wir vorher nie begegnet sind (oder schon zu oft), anhand von groben Themenspektren und Anliegen Pläne entwerfen und Aufgaben verteilen. Es gilt Interessen abzustecken, auf gemeinsame Praktiken zu verständigen, diese gegeneinander aushandeln oder nebeneinander herlaufen lassen und Verständigungsprozesse langfristig und kurzfristig zu moderieren. Auffällig ist: Die Forderung nach Breite wird fast nie begründet, sondern vielmehr als Selbstwert gesetzt – je breiter das Bündnis, desto legitimer erscheinen die Anliegen und desto höher erscheint die Erfolgsaussicht. Aber Breite ist kein Wert an sich. Deshalb müssen wir als außerparlamentarische Linke genauer klären, was »Breite« eigentlich meinen soll – und welche Widersprüche und Probleme sich hinter dieser Forderung verbergen, nur so können wir unser Ziel im Blick behalten: Wir wollen Gegenmacht zum herrschenden Block organisieren.
Dimensionen von »Breite«Ich schlage vor, fünf Dimensionen von Breite zu unterscheiden. Jede von ihnen eröffnet Spannungsfelder – und macht deutlich, dass »Breite« kein Allheilmittel darstellt und genau bestimmt werden sollte:
1 Quantitative Breite
Wie viele Menschen bekommen wir zusammen? Hier ist Breite messbar: Teilnehmendenzahlen, Unterzeichner*innen, Organisationen. Das ist sichtbar, aber sagt wenig darüber aus, wie belastbar oder handlungsfähig ein Bündnis ist.
2 Soziale Breite
Wie unterschiedlich sind die Menschen in Bündnissen? Dies stellt vermutlich die Kernaufgabe dar: Wie divers ist die Arbeit, worunter ist ein Zusammenschluss möglich, wie kann man sich aufstellen mit Blick auf Sprache, Milieu, unterschiedlichem Politisierungsgrad, unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnissen und Interessen? Umso diverser ein Bündnis ist, umso herausfordernder auch die Anforderungen an die Zusammenarbeit. Gleichzeitig ist Bündnisarbeit im klassischen Sinne hochschwellig. Sprechfähigkeit wird in der gemeinsamen Arbeit vorausgesetzt. Wer nicht sprechfähig ist, schweigt. Auch wer nicht einverstanden ist, schweigt und verschwindet, sucht das nächste Projekt. Akteur*innen mit starken, gefestigten Interessen dominieren Akteur*innen, die weniger gefestigte Positionen mitbringen usw. Verständigung ist innerhalb von Bündnissen an Homogenität entlang orientiert. Der Wunsch nach sozialer Breite steht im...
Verweigert euch!
Es gibt auch Länder, die zwar nicht direkt vom Kriegsgeschehen betroffen sind, in denen die „Logik des Krieges“ aber dennoch so präsent ist wie lange nicht mehr. Scheinbar unaufhaltsam wird die vermeintliche Notwendigkeit einer kollektiven Kriegstüchtigkeit mit Nachdruck in die Köpfe und Institutionen eingeschrieben. Die Debatten über Aufrüstung und Wehrpflicht bedienen sich einer Sprache und Überzeugtheit, die Gegenentwürfe schier unmöglich erscheinen lassen.
Alle Bewegungen weltweit, die sich für eine befreite Gesellschaft einsetzen, sind vor die Frage gestellt, wie sie sich dem Krieg und seiner Logik entziehen und weiterhin für ein würdevolles Morgen für alle streiten können. Denn es sind gerade diese Kämpfe „von unten“, in denen sich der Horizont eines Friedens auftut. Ein Frieden, der gegen die Verhältnisse erkämpft wird, die den Krieg erst hervorbringen.
Der Sammelband Verweigert euch! versteht sich als Beitrag zu einer größeren antimilitaristischen Suchbewegung nach Mitteln und Möglichkeiten, der Ausweitung kriegerischer Gewalt in unserer Gegenwart und den transnational verwobenen Verhältnissen dieser Gewalt etwas entgegenzusetzen.
Zum Abschluss unserer Reihe „Im Krieg. Gegen Krieg“ werden ein Genosse und eine Genossin von dem Autor*innen-Kollektiv das Buch Verweigert euch! vorstellen. Im Anschluss wollen wir gemeinsam ins Gespräch kommen.
Iran between War and Revolution
Placing the war in the context of Iran’s longer struggle for liberation and justice—including the recent January uprising and the Jin, Jiyan, Azadi movement—we will explore the competing narratives and disinformation campaigns that have shaped public understanding of the conflict and obscured civilian harm.
The talk will examine how Iranians are confronting violence from multiple directions: the impact of external war on everyday life, including access to food, medicine, infrastructure, safety, and communication, alongside intensified domestic repression by the Islamic Republic through internet blackouts, executions, surveillance, and restrictions on political organizing. It will also highlight the forms of resistance and solidarity being organized against war, state violence, and the conditions that continue to constrain the struggle for a democratic future.
The Talk will be held in English with whisper translation into German.
Im Mittelpunkt dieses Vortrags stehen die Erfahrungen und die politische Handlungsfähigkeit der iranischen Bevölkerung vor dem Hintergrund der jüngsten militärischen Eskalation der USA und Israels gegen den Iran. Es wird untersucht, wie militärische Angriffe von einigen als „Hilfe“ für die Iraner*innen und als Weg zur Befreiung dargestellt wurden; während einige diese Sichtweise teilten, lehnten viele die Vorstellung ab, dass Freiheit durch Krieg, Sanktionen und ausländische Interventionen erreicht werden könne.
Indem wir den Krieg in den Kontext des langjährigen Kampfes in Iran für Befreiung und Gerechtigkeit stellen – einschließlich des jüngsten Aufstands im Januar und der „Jin, Jiyan, Azadi“-Bewegung –, werden wir die konkurrierenden Narrative und Desinformationskampagnen untersuchen, die das öffentliche Verständnis des Konflikts geprägt und das Leid der Zivilbevölkerung verschleiert haben.Der Vortrag wird untersuchen, wie die Iraner*innen mit Gewalt aus verschiedenen Richtungen konfrontiert sind: den Auswirkungen des externen Krieges auf den Alltag, einschließlich des Zugangs zu Nahrungsmitteln, Medikamenten, Infrastruktur, Sicherheit und Kommunikation, sowie der verschärften innenpolitischen Repression durch die Islamische Republik mittels Internet-Sperren, Hinrichtungen, Überwachung und Einschränkungen politischer Organisation. Er wird zudem die Formen des Widerstands und der Solidarität hervorheben, die gegen Krieg, staatliche Gewalt und die Bedingungen organisiert werden, die den Kampf für eine demokratische Zukunft weiterhin einschränken.
Der Vortrag wird auf Englisch gehalten werden. Es wird eine Flüsterübersetzung ins Deutsche geben.
Café Arranca: NATO-Manöver versenken
An dem Abend erhaltet ihr weitere Einblicke und wir wollen Mut machen, euch den Aktionstagen gegen das NATO-Manöver »Red Storm Charlie« in Hamburg anzuschließen. Kommt mit uns zu den Aktionstagen!
Westsahara - Besatzung und Widerstand
Eine Veranstaltung mit Smara Westsahara-Solidarität Frankfurt.
Café Arranca: Kurdistan zwischen Friedensprozess und imperialistischen Interessen
Die MENA-Region ist längst Schauplatz imperialistischer Kriege und geopolitischer Machtkämpfe geworden. Besonders hart trifft es Gesellschaften und Völker, die sich der nationalstaatlichen Logik
widersetzen und eigene Alternativen formulieren. Ein Beispiel dafür ist die kurdische Bewegung, die inmitten von weltweiter Militarisierung und Kriegstreiberei einen neuenFriedensprozess mit dem türkischen Staat angestoßen hat. Der Vortrag beleuchtet zunächst die Folgen von Imperialismus und Nationalismus auf die kurdische Gesellschaft. Außerdem zeichnet er die unterschiedlichen Interessen zentraler geopolitischen Akteure in der Region nach. Weiterhin geht es um konkrete Alternativen. Im Zentrum stehen dabei die Friedensbemühungen der kurdischen Bewegung. Der kurdische Frauenrat Amara lädt dazu ein, gemeinsam eine internationalen Perspektive zu entwickeln und unsere Rolle als linke Bewegungen für einen gesamtgesellschaftlichen Frieden zu diskutieren.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des monatlichen Café Arrancas statt, bei dem es ab 19 Uhr veganes Essen gibt, um 20 Uhr startet dann der Vortrag.
Dominanzstreben im Hinterhof. Was wollen die USA in Lateinamerika?
Im Januar dieses Jahres entführte das US-Militär den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro. Dessen Nachfolgerin Delcy Rodríguez ordnet sich seitdem politisch und wirtschaftlich den US-Interessen unter. Doch geht es nicht nur um Venezuela und seine Rohstoffe. Donald Trump droht auch anderen Ländern der Region, mischt sich in Wahlkämpfe ein und setzt dabei auf eine enge Kooperation mit ihm wohlgesinnten Regierungen. Als Imperium mit schwindender Hegemonie wollen die USA die gesamte Region in die klassische Hinterhofrolle zurückdrängen und externe Mächte wie China verdrängen. Kurzfristig scheint dies aufzugehen. Doch wird diese Dominanzpolitik notgedrungen Widerstand erzeugen.
Tobias Lambert ist Autor und Journalist. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Lateinamerika. 2024 erschien sein Buch „Gescheiterte Utopie? Venezuela ein Jahrzehnt nach Hugo Chávez“. Im August 2026 folgte im Mandelbaum Verlag „Zurück in den Hinterhof. Die USA und Lateinamerika“.
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